8. Appenzell Innerrhoder Kantonalschützenfest 2028

Geschichte des Schiesswesens

Vom ersten Schützenhaus im 16. Jahrhundert bis zum 8. Kantonalschützenfest - das Innerrhoder Schiesswesen früher und heute.

Schiessen im alten Appenzell

Geschossen wird in Appenzell seit Jahrhunderten. Schon im 16. Jahrhundert galt das Land als «Gesellschaft des Schiessens», und bereits Ende des 15. Jahrhunderts reisten Appenzeller Schützen an eidgenössische Schützenfeste. Das Schiessen diente nicht nur dem Vergnügen, sondern auch der Wehrbereitschaft: Die Obrigkeit liess die Zielstätten bauen, stellte die Munition bereit und prüfte, ob die Waffen in gutem Zustand waren.

Die erste Zielstätte lag vermutlich auf der grossen Wiese nördlich des Dorfes, dem heutigen Ziel. Mit dem Aufkommen der Handfeuerwaffen wich sie wegen Lärm und Gefahr ins Ried südlich des Dorfes aus. Dort entstand 1585 ein neues Schützenhaus, ein rechteckiger Riegelbau mit zwei Windfahnen, den der Maler Jakob Girtanner noch im selben Jahr im silbernen Landbuch festhielt. Mit ihm erhielt die Schützengesellschaft erstmals eine Organisation - als erster Schützenmeister ist Hans Grunder überliefert.

Lange stand das Schützenhaus nicht: 1590 wurde es verkauft, für «100 Pfund Schillinggeld» und zwei Kühe. Erst 1615 baute man im Ried ein neues. Im selben Jahr wurden die Rhoden verpflichtet, jeden Sonntag mit ihren Jungschützen in Appenzell zu üben. Manche Aufgabe der Schützen von damals lebt bis heute fort, etwa der Paradedienst an der Fronleichnamsprozession.

Die Gründung 1885

Am 10. Mai 1885 gründeten Delegierte in der «Linde» in Appenzell den Appenzell-Innerrhodischen Kantonalschützenverein. Den Anstoss hatte ein Sektionswettschiessen gegeben, das schon vor der Gründung stattfand: Dort kam die Frage auf, ob nicht auch Innerrhoden einen Kantonalverein brauche - und die Idee fand bei allen Anklang. Der Beweggrund war weniger politisch als kameradschaftlich.

Neun Gründersektionen mit 213 Mitgliedern machten den Anfang: Säntis, Rinkenbach, Schwende, Meistersrüte, Enggenhütten, Gonten, Haslen, Eggerstanden und Steinegg-Hirschberg. Wie dieser Geist klang, zeigt die Inschrift eines Triumphbogens an der Wettschüssi 1889 in Weissbad:

Willkommen aus unsern Landen,
von Enggenhütten bis Eggerstanden,
von Haslens Gefilden nach Brülisau,
von Meistersrüte zur Wasserau.
So tretet herein und erquicket Euch denn,
Hofer, Bauer, Sticker und Senn!

Der Jahreshöhepunkt der Innerrhoder Schützen war und ist die Kantonale Sektionswettschüssi. 2001 wurde der Verein in Kantonalschützenverband umbenannt: Er ist ein Zusammenschluss mehrerer Vereine und nicht selbst ein Verein.

Die Kantonalschützenfeste

Der Appenzell Innerrhoder Kantonalschützenverband (AIKSV) pflegt das Schützenwesen im Kanton seit 1885. Zu seinen grössten Anlässen zählen die Kantonalschützenfeste, die Schützinnen und Schützen aus der ganzen Schweiz nach Innerrhoden bringen: An die Feste der Jahre 1986, 1996 und 2004 reisten jeweils über 12'000 Teilnehmende an.

Das 7. Kantonalschützenfest im Sommer 2016 setzte bewusst auf ein kompakteres Format. Geschossen wurde dezentral auf den Ständen in Appenzell, Eggerstanden, Gonten, Haslen, Meistersrüte und Oberegg sowie in Altstätten - rund 8'500 Schützinnen und Schützen nahmen teil, getragen von über 300 freiwilligen Helferinnen und Helfern.

2028 wird diese Tradition fortgeschrieben: Das 8. Appenzell Innerrhoder Kantonalschützenfest findet an drei Wochenenden im Juni und Juli statt - begleitet von der auf das Fest hin erneuerten Kantonalfahne, deren Vorgängerin aus dem Jahr 1985 stammt.

Quelle: Chiara Fässler, «Das Schiesswesen in Appenzell Innerrhoden», Maturaarbeit am Gymnasium St. Antonius Appenzell, 2016.

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